PS118 Larsen C

20190209 – 20190410 # Punta Arenas – Punta Arenas

# Fahrtleiter Boris Dorschel #

Die Antarktische Halbinsel ist eine der sich am schnellsten erwärmenden Regionen dieser Welt. Als mögliche Folge sind in den Jahren 1995 und 2002 erst der Larsen A Eisschelf und später der Larsen B Eisschelf fast vollständig zerfallen. Dadurch verbleibt nur noch der Larsen C Eisschelf als letzter großer Eisschelf im westlichen Weddellmeer. Im Juli 2017 hat der Larsen C Eisschelf den Eisberg A-68 gekalbt. Mit ca. 5.800 km2 ist A-68 einer der größten Eisberge, die jemals erfasst worden sind.

Durch den Abbruch von A-68 hat sich die Schelfeiskante landwärts verlagert. Dieser Rückzug der Schelfeiskante hat einen erheblichen Einfluss auf die Umweltfaktoren und Ökosysteme in dem ehemals vom Schelfeis bedeckten Gebiet. Durch den Eisschelf war dieses Gebiet von der Atmosphäre und dem Einfluss von Sonnenlicht entkoppelt. In Folge der Veränderungen kommt es nun zu Austauschprozessen zwischen Ozean und Atmosphäre und zur Primärproduktion in der oberen Wassersäule in dem Gebiet das vormals von A-68 bedeckt gewesen ist. Diese Veränderungen finden in einem sehr kurzen Zeitraum statt, was die Ökosysteme zwingt, sehr schnell zu reagieren und sich anzupassen. Um die Veränderungen, Anpassungsmechanismen und Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme infolge derartig abrupter Veränderungen zu verstehen, ist es nötig, möglichst früh Basisparameter für Umweltfaktoren und biologische Prozesse zu erfassen. Diese beschreiben auch den Ursprungszustand für spätere Wiederholungsuntersuchungen. Auf Grund der Abgeschiedenheit gibt es derzeit nur begrenzt wissenschaftliche Daten aus dem Gebiet von Larsen A und B., Larsen C ist fast vollständig unerforscht. Die Expedition PS118 mit Polarstern ist daher sehr interdisziplinär angelegt mit dem Ziel, möglichst viele Grundlageninformationen zu erfassen.

Ein Arbeitsschwerpunkt für PS118 ist die Erfassung von Daten, die zu einem besseren Verständnis von Umweltprozessen und biologischen Prozessen im Zusammenhang mit dem Rückzug eines Eisschelfes führen. Des Weiteren sollen Daten vom wenig untersuchten Larsen C Kontinentalschelf und –hang gewonnen werden.

Folgende übergeordnete Forschungsgebiete sollen während PS118 bearbeitet werden: Eisschilddynamik, Ozean – Cryosphärenwechselwirkungen, Ozeanzirkulation und eine Vielzahl biologischer und Umweltprozesse, wie z.B. die Funktion von Ökosystemen, Habitatverteilungen, Populationsdynamiken und -verbreitungen. Diese Diversität und Disziplinen wird auch durch 13 Arbeitsgruppen an Bord widergespiegelt. Sie kommen aus den Wissenschaftsbereichen Bathymetrie/Hydroakustik, Biologie, Geologie, Geophysik, Ozeanographie und Meereisphysik. Außerdem wird eine Person an Bord Filmaufnahmen für eine TV-Dokumentation aufnehmen.

Expedition PS118 mit Polarstern beginnt am 9. Februar 2019 in Punta Arenas (Chile) und endet am 10. April 2019 ebenfalls in Punta Arenas. Das Hauptzielgebiet der Expedition ist der Larsen C Schelf. Durch den Abbruch von A-68 ist das kürzlich von Eisschelf befreite Gebiet vor dem Larsen C Eisschelf ein zusätzliches Interessengebiet für PS118 geworden. Weitere Zielgebiete sind die vormals von den Larsen A und B Eisschelfen bedeckten Bereiche und eine Region des Larsen Kontinentalhangs die von tiefen Canyons durchzogen ist. Das alternative Arbeitsgebiet umfasst das Powell- und das Janebecken (Abb. 1).

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